Kalea auf der Via Spluga

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Ich bin Kalea. Ende August machte ich mich auf meine vier Pfoten, um in vier Tagen die Via Spluga abzumarschieren. Von Thusis bis Chiavenna.

Kaum war ich am Bahnhof Thusis angekommen, wollte dieser Herr mich gleich begleiten.

Doch als Erstes hatte ich eine Übernachtung im Hotel Weiss Kreuz geplant. Dort traf ich - Roger Federer!


Tag 1: Thusis bis Andeer

Unterwegs habe ich getroffen, worauf jetzt dann wieder alle Bündner Jäger scharf sind: Den Steinbock.

Spektakulär! Die Burg Hohen Rätien. Vor allem, wie krass es vorne hinunter geht zur Viamala.

Auf der Traversina traf ich zwei Flachländer. Peter und Jacqueline Verstraaten aus den Niederlanden. Sie sind den Weg vom Parkplatz der Viamala-Schlucht bis hierher zu Fuss gegangen - und hatten dann vor, weiterzuwandern bis Thusis. Hut ab!

Dieses Grüpplein scheute die Anstrengung mehr. Bus-Touristen aus Dresden in der Viamala. Sabine, Gerd, Alfred, Hans-Joachim und Brunhilde sind mit einer Wandergruppe der Sächsischen Zeitung in der Schweiz unterwegs. 

In Zillis wollte mich der Portier nicht in die Kirche St. Martin hinein lassen. Egal. Gegenüber gab's einen netten kleinen Biergarten. Ideal bei den über 30 Grad, die es hatte. 

Ankunft in Andeer und Übernachtung - wieder in einem Hotel Kreuz. Diesmal war's aber ein weisses, und kein weiss. Kreative Küche - und tolle Motorräder auf dem Parkplatz!


Tag 2: Andeer bis Splügen

Los geht's durch's Gelände einer steinharten Firma.

Durch ein Wäldchen hoch …

… bis zur Zentrale Bärenburg der Kraftwerke Hinterrhein.

Nach weiteren Metern Aufstieg an der höchsten Stelle vor der Rofflaschlucht kam mir ein Herr mit einer Jute-Tüte entgegen. Gerardo Manzoni aus Pian San Giacomo ist mal schnell über den San Bernardino gefahren, um hier Pilze zu sammeln.

Und dann stiessen noch zwei weitere Via Spulga-Wanderinnen dazu. Die, die mich umarmt, ist Claudia Schumacher-Süsstrunk aus Pfäffikon (ZH) zusammen mit Heike Schumacher aus Waldalgesheim in der Nähe von Mainz. Ich habe die beiden bis nach Chiavenna immer wieder gesehen. Sie haben wirklich den ganzen Weg gemacht.

Kurz vor der Rofflaschlucht dann - Heidi. Wirklich! Aus der Schweiz, aber der fränkischen. Bamberg. Sie liebt die Berge!

In der Rofflachlucht - ja, ich habe gehört, animierte GIFs seien Ende der 90er Jahren extrem «in» gewesen. Diese Schlucht finde ich ehrlich gesagt wesentlich eindrücklicher und ursprünglicher als die Viamala-Schlucht, nicht so gepützelt Touri-Geflutet.

Hier treffe ich sogar einen von hier. Also fast. Aus Chur. Willi Juong kommt immer wieder hierher um zu - fischen. Seit rund 25 Jahren. Leider beissen die Fluss-Forellen heute nicht mehr so zahlreich an wie in früheren Jahren. Willi hat dafür nicht wirklich eine Erklärung, aber es ist so.

Ich muss das an dieser Stelle jetzt einmal sagen: Die Via Spluga ist ein Wanderweg der Deluxe-Klasse. Keine Stelle, an der ich mich hätte verlaufen können. Sauberste Beschriftungen und Wegweiser überall. Und der Weg nach der Rofflaschlucht bis zum Talgrund beim Sufner-See ist eine Meisterleistung, die garantiert nicht ganz günstig war. Oft führt der Weg über extra Anbauten unterhalb der Hauptstrasse und hier führt er über eine Wendeltreppe gar auf ein Viadukt. Unten fahren die Autos. Oben sind die Wanderer.

Gangbang kurz vor dem Eisloch (hier gibt's einen Cache). Tanja, Laeticia, Nanna, Anthony und Vincent aus Konstanz und Kreuzlingen konnten fast nicht mehr von mir lassen. Dabei war doch Anthony, der mit der Brille, die Person, die im Zentrum stand. Er hatte Geburtstag (35) und der Tagesausflug zur Rofflaschlucht mit anschliessendem «Spaziergang» war das Geburtstagsgeschenk seiner Freundin.


Tag 3: Splügen bis Isola

Vielen Dank an alle, die die Via Spluga so perfekt in Schuss halten!

Talstation Bodmastafel. Leider führt die 6er-Sesselbahn nicht auf den Pass hoch.

Gut so, denn wenn ich die Bahn genommen hätte, wäre dieser Cache vor mir versteckt geblieben …

… und ich hätte diese vier Herren nicht getroffen. Eugen, Peter, Jakob von der evangelischen.Kirchgemeinde St. Gallen bei ihrem Arbeitseinsatz. Sie helfen eine Woche lang in diesem Berggebiet. Hier werkeln sie an einer Trockenmauer. Georg «Schorsch», der einheimische Maurer (rechts) zeigt ihnen, wie das geht.

Etwa einen Kilometer vor dem Splügen-Pass wird plötzlich die alte original Via Spluga-Säumerroute sichtbar. 

Ich bin oben. Franz Pihringer aus Oberösterreich mit seinem Rennvelo auch. Sieben Tage gibt er sich die Schweiz intensiv, zusammen mit 25 anderen Radlerinnen und Radlern. Franz: «Man merkt sofort, wenn man in die Schweiz kommt. Die Pass-Strasse auf Schweizer Seite ist viel besser!»

Dafür ist die Via Spluga auf italienischem Boden auf viel mehr Metern noch erhalten, so, wie sie früher war. Hier die Ausweichstelle nur wenige hundert Meter unterhalb des Passes. Stefan Dettenhofer ist schon hier. Mit Angelika und Tibet-Terrier Olli «non der schönen Aussicht». Sie sind aus Regensburg und finden den italienischen Teil der Via Spluga generell den Schöneren, da im Gegensatz zu den Abschnitten in der Viamala und der Rofflaschlucht der Strassenlärm nicht so intensiv ist. Das hat was.

Rast in Montespluga, einem kleinen Ort beim gleichnamigen Stausee. Er besteht in erster Linie aus ein paar Beizen entlang der Pass-Strasse und einem Kiosk mit Kitsch für die vorwiegend italienischen Besucher.

Am anderen Ende des Sees musste ich die eindrückliche Staumauer überqueren an der ein Angestellter des Energieversorgers dutzende Meter über dem Abgrund Arbeiten verrichtete - ohne gesichert zu sein. Kurz nach der Mauer übten einige Jungs das Bergsteigen - gesichert. Und für mich die Gelegenheit, endlich zu testen, ob mein recht teures Bergtour-«Gschtältli» das hält, was es verspricht. Tut es.

Nach Durchquerung des eindrücklichsten Teils der Via Spluga - Cardinelloschlucht - treffe ich in Rasdeglia auf Elvira. Sie hat sonst Angst vor Meinesgleichen. Vor mir aber nicht. Oder nur ein wenig.

Martino Raviscioni hat da weniger Berührungsängste. In seiner sympathischen Herberge habe ich mich pudelwohl gefühlt und der Schafgarben-Grappa aus eigener Herstellung war vorzüglich! Martino spricht super deutsch, was man angesichts dieser Tafel im Gasthaus gar nicht erwarten würde.


Tag 4: Isola bis Chiavenna

Ein sehr eigenartiger «Garten» beim Campingplatz von Campodolcino!

Die Italiener übernehmen also auch alles von uns. Nicht nur die Schweizer Wanderwegweiser, die entlang der Via Spluga bis nach Chiavenna stehen - auch eine Art Vitaparcours gibt es hier. Federico di Giovanni probiert eine der Übungen gerade aus.

Gabriel, Samuele, Elena und Luca sind mit ihren Eltern in ihr Ferienhäusschen am Fluss gekommen und spielten gerade Beach-Volleyball, als ich vorbeiwanderte.

Er hier konnte mir seinen Namen nicht sagen. Zu schlecht ist mein Italienisch.

 

Ja. Jetzt bin ich wirklich in Italien. Carabinieri in Chiavenna.

Wieso die mich aber an den Pranger stellten, weiss ich nicht.

Macht auf jeden Fall müde, über 60 Kilometer zu wandern in 4 Tagen. Aber die Via Spluga bringt's!

Übrigens: Das mit Roger Federer im Hotel Weiss Kreuz in Thusis hat sich dann noch aufgeklärt: Es ist Petr Briza aus der Tschechei. Ich glaube aber immer noch, dass es unser Tennis-Star sein muss - sein Deutsch ist zu perfekt. Er hat wohl im Hotel als Kellner gearbeitet auf rgendeiner geheimen Benefiz-Aktion oder so.